08.03.2018 | Artikel von Gerd Hennen: 'Innovation, Didaktik und neue Dynamik', erschienen in GrenzEcho am Donnerstag 22. Februar 2018

Schieferstollen in Recht - Mehr als nur ein Besucherbergwerk

Schieferstollen in Recht - Mehr als nur ein Besucherbergwerk

 

Innovation, Didaktik und neue Dynamik

 

Von Gerd Hennen

 

Recht.- Innerhalb weniger Jahre wurde aus einem einsturzgefährdeten Denkmal Eifeler Industrie- und Handwerksgeschichte ein modernes Museum, das sich einer wachsenden Akzeptanz und Resonanz erfreut.  In mühsamer Arbeit schufen die Pioniere der VoG. Schieferstollen Recht unter Vorsitz von Didier Landers ein touristisches Highlight, das sich jetzt auch für die Zukunft wappnet und neue Wege gehen möchte.

 

Vorsitzender Didier Landers nahm die Gelegenheit der Generalversammlung zum Anlass um auf die anstehenden Herausforderungen und Veränderungen einzugehen und seine Mitstreiter auf eine verheißungsvolle Stollenzukunft einzuschwören. 

 

Rosige Stollenzukunft

 

Der Schieferstollen in Recht wurde nach eingehender Prüfung in den engen Kreis der „anerkannten Museen Ostbelgiens“ aufgenommen.  Was auf den ersten Blick lediglich als ein ehrenvoller Titel erscheint, ist laut Didier Landers ein Fundament der Zukunftssicherung des Besucherbergwerks am Rechter Standort.  „Wir haben den Nutzungsvertrag mit der Gemeinde bis zum Jahr 2050 verlängert und wurden in den Katalog der „anerkannten Museen der Kategorie 2“ aufgenommen.  Das eröffnet uns jetzt völlig neue finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, die uns für die Zukunft wappnen“.  Doch der Weg bis zur schlussendlichen Aufnahme sei ein schwieriger und arbeitsintensiver gewesen, bemerkte der Präsident gegenüber unserer Zeitung. 

 

„Anerkanntes Museum“

 

So wurde eine 50 Seiten umfassende Bewerbungsakte äußerst kurzfristig geschnürt, die neben dem Leitfaden auch die verschiedenen Bilanzen der vergangenen Jahre, Verträge, Versicherungen und Werbungen beinhaltete.  Im Anschluss daran statteten die Verantwortlichen um die Leiterin des LWL-Museumsamtes für Westfalen, Frau Dr. Ulrike, dem Schieferstollen einen Ortsbesuch ab bevor dann nach einem Gutachten der Stadtgemeinde schließlich im Oktober die offizielle Anerkennung erfolgte.  „Wir sind ja fast ausschließlich Ehrenamtliche, so dass diese Arbeit uns schon an die Grenzen unserer Möglichkeiten brachte.  Schlussendlich bin ich aber zufrieden, dass wir die Anerkennung zum „Museum der Kategorie 2“ in der Tasche haben“, erklärte Didier Landers. 

 

Planungssicherheit

 

Auch der Stollen-Kassenwart Oswald Lamberty lobte die Initiative und auch die Entscheidung in höchsten Tönen: „Ja, durch diese Anerkennung ist es uns endlich möglich, unsere Finanzpläne verlässlicher zu gestalten, da wir jetzt direkten Zugriff auf mögliche Zuschüsse haben.  So wird es uns fortan möglich sein, auch finanzielle Unterstützungen für Fachkräfte und für Infrastrukturarbeiten zu beantragen.  Das war zuvor nicht der Fall.  Wir verpflichten uns im Gegenzug dazu, den Vorgaben des Ministeriums Folge zu leisten und unseren Stollenbetrieb mit den Schwerpunkten „Sammeln“, „Konservieren“ und  „Vermitteln“  neu oder vielleicht anders auszurichten.“  Für diese Zukunft als „anerkanntes Museum“ haben die Verantwortlichen bereits einige richtungsweisende Pläne und Maßnahmen ins Visier genommen.  Neben der Inventarisierung steht eine Umstellung der Grubenbeleuchtung auf kosteneffiziente LED-Lampen auf der Agenda.  „Wir erhoffen uns dadurch auch als Folge eine Einsparung unserer nicht unerheblichen Stromkosten, so dass diese Ausgaben relativ rasch amortisiert werden können“, meinte Oswald Lamberty. 


Werbung und Kooperation

 

Die Stadtgemeinde wird zudem Informationstafeln zur Historie des Stollens aufstellen, während die „Tourismusagentur Ostbelgien“ (TAO) imposante, werbewirksame Panoramatafeln zugesagt hat.  In einer zweiten Phase soll dann die gesamte Print- und Onlinewerbung überarbeitet und mit den Vorgaben des TAO angeglichen werden.  „Hier geht es darum, unser Museum werbetechnisch in Einklang mit den übrigen Museum unserer Gemeinschaft zu bringen und somit für den Standort Ostbelgien zu werben“, bemerkte Didier Landers.  Besonders stolz sind die Bergwerksverantwortlichen aus Recht über den mitorganisierten „Internationalen Eifelbergbau Workshop“, der im kommenden Jahr stattfinden wird.  „Die Kollegen der Grube Wohlfahrt aus Rescheid und des Besucherbergwerks Bleialf werden dann über 200 Kollegen aus ganz Europa zu einer Fachtagung begrüßen können.“  Wegen der besseren Unterbringungsmöglichkeiten und der Infrastruktur wurde Prüm als Tagungsort auserkoren.  Unter anderem wird auch dort die Jugendarbeit erörtert werden.  „Als anerkanntes Museum haben wir auch die Pflicht, Kindern und Jugendlichen ein angepasstes, lehrreiches und abwechslungsreiches didaktisches und pädagogisches Konzept zu bieten.  An diesem Punkt arbeiten wir intensiv, damit unser schönes Bergwerk auch jüngere Semester fasziniert. 

 

Suche nach Stollen-Jugend

 

In diesem Zusammenhang erwähnte Didier Landers auch die im vergangenen Jahr in Eigenregie getätigten Infrastrukturverbesserungen im Stollen selbst. So konnte der Eingangsbereich deutlich attraktiver gestaltet und aufgewertet werden, während im Innenbereich eine große Light- und Soundshow als „krönender Abschluss“ einer jeden Gruppenführung angeboten werden kann. „Wir haben schon sehr viel Lob ob dieser Show geerntet und sind im Nachhinein froh, dass wir uns dieses Projekt zum 10. Geburtstag selbst geschenkt haben“.  Doch die Arbeit im Besucherbergwerk in Recht kennt keine Ruhephasen, denn irgendwo ist immer jemand bei der Arbeit um Ausbesserungen oder Verbesserungen anzubringen.  „Derzeit sind wir dabei, die Trockenmauer zu erneuern, die laut unserer Vermutungen durch Vandalismus beschädigt wurde und derzeit Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen einen kompletten  Besuch unmöglich macht.  Bis Ostern wird aber alles wieder hergerichtet sein, so dass dann auch wieder Rollstuhlfahrer in die Grube einfahren können“.    Natürlich versuchen die Stollenverantwortlichen nach wie vor die Attraktivität ihres Bergwerkes durch Initiativen, Events und dergleichen zu steigern. 

 

Events

 

Hierbei scheint das „Halloween-Fest untertage“ zu einem alljährlichen Event-Highlight zu avancieren. „Im vergangenen Jahr durften wir an diesem Halloween-Tag über 300 Personen begrüßen, die teilweise in recht skurrilen Kostümen den gruseligen Gang ins Bergwerk wagten.  Wir ernteten nur positive Rückmeldungen, so dass unsere zahlreichen Statisten und Animatoren exzellente Arbeit verrichteten“.  Insgesamt fanden im vergangenen Jahr 330 Führungen statt, während mit insgesamt 10906 Besuchern ein leichte Steigerung verbucht werden konnte.  Seit 2007 fuhren demnach bereits 93500 Besucher in den Rechter Stollen ein und konnten sich vor Ort ein Bild über den mühseligen Bergbau im „Blaustein-Segment“ machen. Für die Zukunft wünschen sich die beiden Verantwortlichen eine Verjüngung ihres Interessenvereins. „Es ist schon immer fragwürdig, dass unser Verein sich vormittags versammeln kann“, schmunzelt der pensionierte Lehrer Didier Landers.  „Wir müssen junge Menschen für den Stollen und auch für die Arbeit in unserer Gruppe motivieren und begeistern.  Auch suchen wir stets nach Führern, die auch sporadisch Gruppen in den drei Landessprachen begleiten können.  Für jede Hilfe sind wir dankbar, denn wir sind als Mitglieder bei Weitem keine Fachleute in allen Teilbereichen, so dass jede helfende Hand eine Bereicherung für uns darstellt“, so Didier Landers abschließend.

 

Weitere Infos unter:

www.schieferstollen-recht.be

 

 

 

Wir möchten Herr Hennen danken, dass wir diesen Text veröffentlichen dürfen.

Vielen Dank!