24.07.2014 | Artikel 'Glück-Auf-Feeling hautnah erleben' erschienen im Piccolo Magazin Juli 2014

Besucherbergwerk „Schieferstollen Recht“ ist während des ganzen Jahres ein beliebtes Reiseziel.   Seit nunmehr über sechs Jahren ist das Besucherbergwerk „Schieferstollen Recht“ für Besucher aus nah und fern zugänglich. Dank einer mehrjährigen Planungsarbeit mit der kompletten Instandsetzung der komplexen Stollenanlage durch die VoG. „Schieferstollen Recht“ um Präsident Didier Landers konnte dem ostbelgischen Tourismus ein weiteres wichtiges Mosaiksteinchen hinzugefügt werden. Mittlerweile haben bereits mehrere Tausend Besucher aus dem In- und Ausland die herrliche Bergwerkanlage besucht.

Während mehrer Jahrhunderte wurde in Recht der berühmte Blaustein gebrochen und abgebaut. Dieser solide und robuste Stein genoss allerorts einen exzellenten Ruf, so dass Wassertröge, Becken, Eck- und Schlusssteine, Spülsteine, Tische, Bodenplatten, Wasserrohre, Türrahmen und auch Fensterbänke aus diesem Material angefertigt wurden.

 

Qualitätsprodukt

 

Vor allem die Arbeiten der aus Tirol nach Recht emigrierten Tiroler Steinmetze machten den Blaustein ab dem 18. Jahrhundert zum Statussymbol für Qualität und Güte. Diese Steinmetze waren aus der Umgebung von Kappl im Tiroler Paznautal nach Recht ausgewandert, um dort aufgrund der enormen Blausteinvorkommen ihr Glück zu machen. Die Steinmetze waren durchweg künstlerisch tätig und brachten typische Symbole aus ihrer Heimat nach Belgien. Ihre Markenzeichen waren das IHS-Symbol sowie der Totenschädel, die noch heute auf vielen alten Grabsteinen und –platten zu sehen sind. Laut Informationen des Geschichtsvereins Zwischen Venn und Schneifel datiert die älteste Grabplatte aus Rechter Blaustein aus dem Jahr 1949 und steht heute in der Vorhalle der mittelalterlichen Kapelle in Wiesenbach. Demzufolge wurde die Platte ein Jahr nach Beendigung des 30-jährigen Krieges dort aufgestellt. Das älteste Grabkreuz aus dem Jahre 1719 aus Rechter Blaustein findet man hingegen in Mackenbach. Alle Arbeiten überzeugen durch ihre barocke Ausarbeitung und belegen somit auch die hohe Kunstfertigkeit der Tiroler Steinmetzmeister.

 

„Reeter Gold“


Der Blaustein wurde im 18. und 19. Jahrhundert zum „Rechter Gold“, so dass ein wahrer Rush auf die Bodenschätze begann. Die meisten Rechter Einwohner erlernten in dieser Zeit das Handwerk des
Steinmetzes oder aber verdingten sich in den Mitte der 1880er Jahre von den Gebrüdern Margraff eröffneten Schieferstollen. In der absoluten Blütezeit berichten die Chronisten von einem guten Dutzend
Familienbetrieben mit insgesamt 70 Mitarbeitern, die den Blaustein bearbeiteten. Erst nachdem der Tagebau im Bereich des Dachschiefers zum Erliegen kam, suchte man in Recht mittels Untertagebau nach neuen Schieferressourcen. Dies war umso lukrativer, da der Import des Schiefers aus Vielsalm seit 1886 mit einem hohen Zoll belegt wurde. Die Gebrüder Margraff wurden schnell fündig, denn bereits nach 50 Metern erreichten sie das erste Steinlager. So wurde kurz darauf ein weiterer 75 Meter langer Stollen in den Berg getrieben, während die Gemeinde Crombach die Konzession für den Abbau erteilte.

 

Industrie-Ausmaße

 

Bis 1890 arbeiteten rund 25 Personen im Berg. Diese Arbeit war jedoch gefährlich und eindringendes Wasser erschwerte die Förderung ungemein. Aus diesem Grund entschlossen sich die Betreiber im Jahre 1890 einen so genannten „unteren Stollen“anzulegen, doch diese Bemühungen schienen zunächst nicht von Erfolg gekrönt und verlangten von den Besitzern einen langen finanziellen Atem. Erst fünf Jahre nach Grabungsbeginn und einem 400 Meter langen Schacht stießen die Bergarbeiter in 60 Meter Tiefe auf „guten Stein“. Nach der Jahrhundertwende geriet die Schieferindustrie in Recht jedoch aufgrund von Abbauschwierigkeiten und fehlenden finanziellen Mitteln zur Modernisierung und zum Abtransport des Steinmaterials in Schieflage. Noch vor dem ersten Weltkrieg kam das Ende für den Untertagebau. Johann Peter Schaus und Josef Mettlen gelten als letzte aktive Steinmetze, die 1920 ebenfalls ihren Tagebau einstellten.

 

Rührige Museums-VoG

 

Seit der offiziellen Eröffnung im Mai 2007 besuchten bereits mehrere zehntausend Besucher das Rechter Bergwerk. Besonders schätzen die Besucher die anekdotenreichen und informativen Führungen
durch den früheren Untertagebau. Aber auch als Lehrstollen macht Recht eine exzellente Figur, können Schüler und Erwachsene hier gleichermaßen die geologische Zusammensetzung und somit auch die regionale Erdgeschichte hautnah erleben. Besonders beliebt sind jedoch die Rollenspiele, bei denen die Besucher selbst in die Rolle der in ständiger Gefahr lebenden Bergarbeiter des 19. und 20. Jahrhunderts schlüpfen können. Die Führungen können in den Sprachen Deutsch, Französisch,
Niederländisch und sogar in Englisch gebucht werden. Seit diesem Jahr ist der Stollen zudem während des ganzen Jahres zugänglich. Im Herbst ist ein Vortrag mit dem Ordovizium-Experten Prof. Dr. Thomas Servais vorgesehen. Weitere Highlights bilden das Halloween-Fest am 31. Oktober sowie die biennal stattfindenden Konzerte "unter Tage".